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Die „neuen Alten“ am Markt

Wenn die Gesellschaft altert, hat das noch ganz andere Konsequenzen wie steigende Belastungen fürs Budget.

 

Unsere Gesellschaft altert. Das wirkt sich in mehrfacher Weise auf den Arbeitsmarkt aus. Einmal im Thema älterer Arbeitnehmer, für das längst nicht alle Branchen gerüstet sind. Andererseits in einem stark wachsenden Kundensegment, dessen Bedürfnisse Produkt- und Dienstleistungsmärkte verändern.

 

Die Gruppe der über 60-Jährigen wächst weltweit am stärksten. Bis 2050 wird sich die Bevölkerungsgruppe 60 plus von 901 Millionen (2015) auf 2,1 Milliarden mehr als verdoppeln. Auch in Österreich verschiebt sich die Altersstruktur. Die steigende Lebenserwartung trägt dazu bei: Außerdem gehen die Babyboomer der 1950er und 1960er Jahre allmählich in Pension. Auch wächst die Bevölkerung Österreich insgesamt. Im Jahresdurchschnitt 2015 lebten in Österreich 8,62 Millionen Menschen. 2022 dürfte die Alpenrepublik neun Millionen Einwohner zählen. Ohne Zuwanderung gingen die Uhren freilich rückwärts. Dann hätte Österreich 2060 nur mehr 7,2 Millionen Einwohner. Unter den Bundesländern altern Vorarlberg, Tirol und Salzburg in einem Prognosezeitraum übrigens bis 2035 am stärksten.

 

Weniger Erwerbstätige

 

Was bedeutet das alles für den Arbeitsmarkt? Aktuell rechnen die Statistiker damit, dass innerhalb der EU der Höhepunkt der Beschäftigung im Jahr 2022 erreicht sein wird. Dann werden in den EU-Mitgliedsstaaten 217,6 Millionen Menschen Arbeit haben. Ab 2023 werden sowohl die Beschäftigung als auch die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sinken.

 

Für Österreich berechnet die Statistik Austria die Entwicklung besonders krass: Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter wird bis 2030 auf 62,2 Prozent sinken, die Bevölkerungsgruppe 65 plus wächst beinah auf ein Viertel (23,4 Prozent). Auf dem Arbeitsmarkt bedeutet das u. a. einen wachsenden Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen. NGO’s rechnen bis 2020 allein in der mobilen Pflege mit 9000 Beschäftigten mehr. In der Gesundheits- und Krankenpflege wird bis 2020 von 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen mehr ausgegangen. Das WIFO hat das Plus im Gesundheits- und Sozialbereich von 2013 bis 2020 sogar mit 59.100 Jobs berechnet.

 

Wachsende Kraft

 

Vor allem aber bedeutet die Zunahme Älterer eine wachsende Kraft, die nicht unterschätzt werden darf. Die „neuen Alten“ sehen sich keineswegs als Problemfall oder Budgetposten. Sie sind in der Regel vital und gesund. Und sie haben genügend Geld, um ihre Jahre zu gestalten. Das lässt eine Menge an neuen Jobs und Berufen entstehen wie etwa den Freizeit- oder Gesundheitscoach.

 

 

Prognose der Erwerbspersonen Österreichs nach Bundesländern 

 

Bundesland

 

20172020203020402050206020702080
Österreich4.551.5314.626.0094.722.4184.773.6874.785.7234.746.3224.764.8694.798.349
Burgenland145.775147.124150.455152.288153.333153.041154.395156.052
Kärnten279.521277.687269.481262.424256.165249.560247.798247.727
Niederösterreich861.713872.206893.889911.395923.178922.523931.599942.178
Oberösterreich776.170784.870787.889793.511790.622777.907778.734782.441
Salzburg291.538296.671299.194298.831296.391291.292290.463291.165
Steiermark635.577637.870637.673636.244632.421623.916624.366627.126
Tirol393.983401.618410.461414.159414.211409.012409.067410.892
Vorarlberg204.141208.636212.802213.046210.636206.611205.892206.162
Wien963.113999.3271.060.5741.091.7891.108.7661.112.4601.122.5551.134.606
Quelle: Statistik Austria, Erwerbsprognose 2018, Trendvariante.