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Den Menschen als Ganzes sehen

Für AK-Präsident Hubert Hämmerle zählt das gute Leben für alle.

 

Das Ziel klingt so simpel wie umfassend: „Ein gutes Leben haben.“ Alle wollen das: Die 393.778 Menschen, die in Vorarlberg leben, die rund 166.000 Beschäftigten und die knapp 8500 Arbeitslosen auch. „Und wir wollen das für alle unsere Mitglieder“, betont AK-Präsident Hubert Hämmerle. Wenn er an die Arbeit der Zukunft denkt, dann soll sie vor allem das Leben verbessern. Ideen dazu gibt es genug. Gefahren auch.

 

Eines vorweg: Die noch immer weit verbreitete harsche Trennung zwischen Arbeit und Leben zählt nicht zur grundsätzlichen Ausrichtung der AK Vorarlberg: „Ein gutes Leben haben, das hat immer den kompletten Menschen zum Ziel, mit seiner Familie, der Freizeit und Freunden. Die Arbeit ist ein Teil davon.“

 

Falscher Name

 

Deshalb sollte es in den Augen des AK-Präsidenten auch nicht Work-Life-Balance heißen, sondern Work-Family-Balance. „Denn es gibt nicht zwei verschiedene Menschen innerhalb und außerhalb der Arbeit.“ Der Arbeitnehmer hat gute und schlechte Erfahrungen immer im Gepäck. Den Ärger im Büro nimmt er mit nachhause. „Und wenn er ein richtig krankes Kind daheim hat, dann zeig mir denjenigen, der dann noch volle Leistung am Arbeitsplatz bringen kann!“

 

Hämmerle kann gut verstehen, wenn junge Leute heute großen Wert darauflegen, dass vielmehr Platz in ihrem Leben sein muss für Freunde und tragfähige Beziehungen. „Denn wenn es Dir privat gut geht, bist Du auch im Beruf leistungsfähiger.“

 

Hohes Vertrauen

 

Dass die Zukunft der Arbeit zu einem erheblichen Teil digital geschrieben wird, ist unbestritten. „Das könnte zu weniger Arbeit und mehr Freizeit führen.“ Und damit automatisch auch zu Lohnverlust? „Genau da müssen wir gut aufpassen.“ So gut wie etwa bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit.Denn wann und wo Arbeit verrichtet wird, werden in Zukunft immer mehr Arbeitnehmer selbstständig entscheiden. „Das verlangt ein extrem hohes Vertrauen von beiden Seiten.“ Im Idealfall kann diese neue Freiheit Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen entlasten, dann wirkt sie inspirierend und motivationssteigernd. „Aber das muss wachsen und sich entwickeln.“ Einseitig verordnet entlastet diese „neue Freiheit“ den einen und belastet den anderen.

 

Dass durch den demografischen Wandel immer mehr Ältere am Arbeitsmarkt gebraucht werden, ist ebenfalls absehbar. Das hat auch gesundheits- und sozialpolitische Konsequenzen. „Die Arbeitsplätze der Zukunft müssen so gestaltet sein, dass wir gerne, gesund und lange arbeiten können“. Das lebenslange Lernen wiederum – ebenfalls eine feste Größe – verlangt nach alternativen Formen des Wissenserwerbs. „Viele schreckt die Vorstellung ab, ein Leben lang quasi die Schulbank drücken zu müssen.“ Doch darum geht es nicht. Bildung, „das kann ein Seminar, ein Kurs, aber genauso gut das Anlernen am Arbeitsplatz ein“. Digital geschieht sie orts- und zeitungebunden. Das kann ein enormer Vorteil sein.

 

Die Ängste vieler Menschen in Zeiten großer Veränderungen kann Hubert Hämmerle gut nachvollziehen. „Abseits aller Gedankenspiele sind immer noch monatlich Rechnungen zu bezahlen, Familien zu erhalten, Steuern zu leisten.“ Kein Wunder, dass aktuelle Umfragen den Wunsch nach Sicherheit an erste Stelle reihen. „Uns begegnet viel Unsicherheit. Die Automatisierung wird die Arbeitsplätze reihenweise vom Platz fegen, das fürchten viele. Wir als AK sind daher gefordert, alles zu unternehmen, damit es nicht zu viele Verlierer gibt.“

 

Optimismus ist da ein guter Ratgeber. Denn Arbeit ist kein Kuchen, der irgendwann aufgegessen ist. Sie wird nicht verschwinden, aber sie wird sich ändern. Neue Jobs werden entstehen und Berufe, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. „Damit diese neue Welt auch eine wirklich schöne neue Welt wird, müssen die Arbeitnehmer sie selber mitgestalten.“ Die Schaffarei ist ein Teil davon.