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Glossar zu New Work und Digitalisierung

 

Die Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück – vor allem im Arbeitsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. Damit hält auch eine Reihe von neuen Begriffen Einzug in unseren Sprachgebrauch.

 

Blockchain und Bitcoin
Die Blockchain ist im Grunde eine öffentliche Datenbank. Mit ihrer Hilfe können alle Transaktionen innerhalb eines Netzwerkes dezentral gespeichert werden. Die Technologie gilt als kaum manipulierbar und völlig transparent, weil jeder Teilnehmer alle getätigten Transaktionen einsehen kann. Gleichzeitig bleiben die Akteure anonym. Also: Jemand will Geld elektronisch überweisen. Dazu braucht er eine Bank. Sie wickelt die Transkation für ihn ab. Sie stellt sicher, dass das Geld beim Adressaten ankommt und beim Absender belastet wird. Während der Transaktion kommt kein Geld dazu und es geht nichts verloren. Wie aber kann man beweisen, dass der vereinbarte Betrag wirklich ankam? Es ist ja kein Geldschein im Spiel? Das ist ziemlich schwierig. Außerdem wollen beide Geschäftspartner, dass der Betrag nicht im Nachhinein erhöht oder verringert wird. Blockchain löst das Problem mit einem Rechenalgorithmus. Was ist so spannend daran? Die virtuelle Währung der „Bitcoins“ macht mithilfe von Blockchain quasi Banken überflüssig. Aber die Blockchain beschränkt sich nicht auf den Finanzsektor. Mit dieser Technologie können Verträge zwischen zwei Parteien, die sich misstrauen, in einem öffentlichen Netzwerk abgewickelt werden. Die Rolle des Vermittlers übernimmt die Community. Damit könnten grundsätzlich alle Vermittler überflüssig werden. Seien es etablierte, wie Notare im Vertragswesen, oder neu entstandene, wie Uber.

 

Co-Working
Ein bisschen mehr als nur die englische Version der deutschen „Zusammenarbeit“: Vor allem die Beschäftigten in der Kreativwirtschaft werden immer mobiler. Die Orte, an denen sie zeitweilig gemeinsam arbeiten und Wissen teilen, heißen Co-Working Spaces. In diesen Gemeinschaftsbüros können Selbstständige oder Projektteams temporäre Arbeitsplätze mieten. So was noch nie gesehen? Das Bahi-Café in der Bregenzer Kirchstraße, wo früher die VN zuhause waren, beherbergt in den alten Redaktionsräumen so einen Co-Working-Space.

 

Coopetition
Die Zeiten der Alleingänge sind vorbei. In Zukunft gewinnen clevere Kooperationen – auch mit der Konkurrenz. Kooperation heißt schon lange das Zauberwort, um komplexe Probleme zu lösen. Der Vorarlberger Wirtschaftswissenschaftler Ernst Fehr redet an der Universität Zürich in seinen Forschungsarbeiten über die Motivation wirtschaftlichen Handelns der Kooperation lange schon das Wort. Der Wille zur Zusammenarbeit ist mächtiger als die lange gepriesene Konkurrenz. Die Wortschöpfung Coopetition führt nun die englischen Begriffe cooperation(Kooperation) und competition(Wettbewerb) zusammen und bezeichnet damit bezeichnet die lose Zusammenarbeit mit Wettbewerbern, um zeitweise die Kräfte zu bündeln, statt sich im Konkurrenzkampf aufzureiben.

 

Corporate Health

Gesundheitsmanagement in Unternehmen geht weit über Unfallschutz, Betriebsärzte und ergonomische Arbeitsplätze hinaus. Stress, Überarbeitung, Burnout, körperliche und psychische Beschwerden: Um die Leistungsfähigkeit im Job zu sichern, ist Gesundheitsvorsorge keine individuelle Angelegenheit mehr. Sie wird zur strategischen Führungsaufgabe. DennHR-Experten sind sich einig: Das Verhalten von Führungskräften ist der Schlüssel zu einer gesunden Unternehmenskultur. Mark Zuckerbergs sportliches Auftreten in T-Shirt und Sneakers steht für ein neues Leitbild, in dem Fitness zur Arbeitskultur selbstverständlich dazugehört. Das kann dann schon mal zu nicht ganz freiwilligen Joggingrunden führen, wenn der Chef die Führungsriege am Wochenendseminar zum gemeinsamen Frühsport verdonnert. Wenn sie Augenzeuge werden, nicht spotten. Die Damen und Herren wollen alle noch was werden…

 

Digitalität
In dieser Wortschöpfung haben „Digital“ und „Realität“ zusammengefunden. Der Dornbirner Klaus Kofler liebt das Wort. Es beschreibe die große Herausforderung der kommenden Jahre, sagt er. Was bedeutet es? Der Ausdruck geht auf die Arbeiten des spanischen Soziologen Manuel Castells zurück und meint die Vernetzung von „digitalen“ und „analogen“ Wirklichkeiten. Digital und Analog stehen einander wie „das Neue“ und „das Alte“ gegenüber. Mit dem feinen Unterschied, dass das eine nicht das andere ablöst, sondern beide Welten in einer Art Balance gemeinsam Lösungen schaffen.

 

Digital Literacy
Digital Literacy bezeichnet einen souveränen und selbstbewussten Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Einfach ist das nicht, schließlich werden wir mit Informationen und neuen Funktionen geradezu überschüttet. Deshalb ist Verarbeitung des digitalen „Information Overflow“ so wichtig, Informationen suchen, finden, bewerten, zusammenfassen. Voraussetzung ist die generelle Bereitschaft, sich für die neuen Anforderungen digital vernetzter Kommunikation zu öffnen. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bringt es in Bezug auf Medien frisch auf den Punkt: „Wir müssen schleunigst medienkundig werden, weil wir längst medienmächtig geworden sind.“

 

Diversity
Diversity erzählt von der Vielfalt der Menschen, beispielsweise hinsichtlich Alter, Geschlecht, Herkunft, kulturellem Hintergrund, Qualifikationen etc. Angesichts grundlegender Veränderungen in der Arbeitswelt gilt die Diversity von Mitarbeitern als zunehmend wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen hinsichtlich Innovationsfähigkeit und Resilienz.

 

Gender Shift
Zukunft der Geschlechter. Das Geschlecht verliert an gesellschaftlicher Verbindlichkeit. Dieser Trend hat weitreichende Folgen in Wirtschaft und Gesellschaft – und für jeden Einzelnen. Der Megatrend Gender Shiftschafft neue Märkte – und erschüttert die Gesellschaft.

 

Gig Economy
Die Gig Economy bezeichnet eine neue Wirtschaftsform, in der Menschen ihren Unterhalt durch situative, auf Kurzfristigkeit basierende Jobs bestreiten. Die digitalen Möglichkeiten der Plattformökonomie dienen dabei als ideale Boden zwischen Kunden und diesen unabhängigen, freiberuflichen Auftragnehmern. Uber-Fahrer, Lieferboten, Texter etc. hangeln sich von einem Auftrag zum nächsten, wie es früher vorwiegend Musiker von Gig zu Gig taten. Daher der Name.

 

Green Economy
Die Green Economy verbindet Ökologie und Ökonomie: Wirtschaft muss international wettbewerbsfähig sein, genauso aber auch umwelt- und sozial verträglich. Die Green Economy steigert die gesellschaftliche Wohlfahrt, bekämpft Armut und strebt soziale Gerechtigkeit an. Vor dem Hintergrund anerkannter ökologischer Grenzen soll auf Basis eines umfassenden Verständnisses der Zusammenhänge in Wirtschaft, Finanzwesen und Politik ein umweltverträgliches qualitatives und somit nachhaltiges Wachstum ermöglicht werden. Ziel ist, veränderte, nachhaltige Produktions- und Konsumweisen zu entwickeln, um weltweit und insbesondere für kommende Generationen Wohlstand und eine hohe Lebensqualität zu sichern.

 

Internet of Things
Das „Internet of Things“ – Internet der Dinge – ist das Ergebnis umfassender Vernetzung zwischen digitalen Systemen. Gemeint ist damit nicht nur IT-Hardware wie Computer und Smartphones, sondern alle denkbaren Geräte und sogenannten cyber-physischen Systeme, ganz gleich ob Industrieanlagen, medizinische Apparaturen, Tablets, Fahrzeuge oder ganze Gebäude.

 

Kollaboration
Mein eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Personen und Gruppen. Aber spätestens nach dem zweiten Weltkrieg ist das ein übel beleumundeter Begriff. Kollaboration bezeichnete in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem Feind oder der Besatzung. Die Wirtschaftswissenschaften verwenden den Begriff vorurteilsfrei. Unter Kollaboration versteht man die oft technisch vermittelte Zusammenarbeit in Teams. Zielsetzung ist oft die Generierung neuer Ideen oder Problemlösungen, häufig ist die Zusammenarbeit intensiv, kreativ und zeitlich begrenzt.

 

Digitale Kollaboration
Digitale Techniken der Zusammenarbeit – neudeutsch „Collaboration Tools“ – sind heute schnell bereitgestellt und sehr viel unkomplizierter zu nutzen als E-Mail und Chat. Meist handelt es sich um webbasierte Software und Smartphone-Apps. Moderne Beispiele sind etwa Trello, Asana und Wunderlist (Aufgabenmanagement), Doodle (Terminfindung), Confluence (Wiki), Messaging-Programme wie WhatsApp oder integrierte Lösungen wie Slack, Yammer und das Workplace by Facebook.

 

Kreativ-Ökonomie
Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird inzwischen als eigenständiges Wirtschaftsfeld verstanden und umfasst die vielfältige Medienbranche und die Designwirtschaft sowie Architektur, Marketing, Künste und die rasant wachsende Gaming-Branche. Mit ihrer Wirtschaftsleistung hat die Kreativwirtschaft bereits vielerorts zu den Spitzenbranchen wie Automobilindustrie und Maschinenbau aufgeschlossen.

 

Open Innovation
Die Entwicklung neuer Produkte mit dem oder sogar durch den Kunden, Partner, Zulieferer oder die Crowd wird als „Open Innovation“ bezeichnet. Die Bandbreite reicht von Online-Plattformen, auf denen Produktverbesserungen und -entwicklungen diskutiert werden, bis hin zu Workshops mit den treuesten Kunden. Ziel von Open Innovation ist es, die Innovationsqualität und -bandbreite zu steigern und Kunden zu binden. Der Schweizer Uhrenhersteller IWC lud dereinst treue Kunden ein, selber für eine Stunde (unter Anleitung freilich) in den weißen Mantel des Uhrmachers zu schlüpfen. Als prominentestes Beispiel für Crowdsourcing gilt vermutlich die Weltraumbehörde NASA. Mehr als 3000 Menschen in 80 Ländern beteiligten sich an der Suche nach einem verlässlichen Weg, Sonneneruptionen vorherzusagen.

 

Permanent Beta
Der Begriff „Beta“ benennt ursprünglich eine noch nicht vollständig zu Ende entwickelte Software-Version. Übertragen auf die moderne Arbeitswelt benennt der Trendbegriff das immer häufiger anzutreffende Phänomen, dass sich Prozesse, Projekte und Produkte und letztlich auch die individuelle Berufsbiografie in einem permanenten Wandel bzw. Anpassungsmodus befinden, der nie zu einem Abschluss kommt.

 

Plattform-Ökonomie
Als Plattform-Ökonomie wird eine Wirtschaftsform bezeichnet, in der Online-Plattformen die Basis für den Austausch von Ressourcen und die Vermittlung von Geschäftsbeziehungen darstellen. Sie steuern die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen und damit den Zugang zum Markt. Zu den bekanntesten Beispielen gehören Unternehmen wie Airbnb oder Uber, die selbst keinerlei Immobilien oder Fahrzeuge besitzen, aber zunehmend zu marktbestimmenden Global Playern werden.

 

Service-Ökonomie
In der Entwicklung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft wird Service weltweit zur wichtigsten volkswirtschaftlichen Größe. Der Dienstleistungssektor hat in den letzten Jahrzehnten einen immer größeren Anteil an der Wirtschaftsleistung und der Wertschöpfung. In dem Maße, wie die Wirtschaft immer mehr auf Wissen, Information und digitalen Prozessen basiert, wächst die Bedeutung der Service-Ökonomie. Hinzu kommt, dass Zeit- und Lebensqualität materielle Statussymbole als Luxusgüter zunehmend ablösen. Dienstleistungen, die dem Kunden Zeit sparen, gewinnen daher an Wert.

 

Social Business
Im vernetzten Wirtschaftssystem etabliert sich eine neue Unternehmenskultur. Sie strebt nicht mehr nach Profitmaximierung, sondern nach Maximierung des sozialen oder ökologischen Nutzens: Der Trend zum Social Business rückt gesellschaftliche Probleme in den wirtschaftlichen Fokus und will diese mit neuen unternehmerischen Mitteln lösen. Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus wird gern quasi als Ideengeber zitiert. Der bengalische Wirtschaftswissenschaftler suchte seit 1976 nach einer Hungersnot eine Lösung, um die Situation der Einkommensschwachen in dem Land zu verbessern. Er sah, dass die armen Menschen für ihren wirtschaftlichen Erfolg nur ein kleines Kapital brauchten, um Materialien für ihr Handwerk zu erwerben. Weil sie aber Kredite nur von Geldverleihern mit Wucherzinsen aufnehmen konnten oder von ihren Rohstofflieferanten abhängig waren, erwirtschafteten die ärmsten Menschen kaum einen Gewinn. 1976 begann Yunus über seine Grameen Bank, Geld zu verleihen. Bald erhielt er die ausgezahlten Kredite mit Zinsen zurück. Er entwickelte ein System, in dem sich die Kreditnehmer – fast ausschließlich Frauen – aufgrund persönlicher Bindungen zur Rückzahlung verpflichtet fühlten. Und sie wurden Mitglieder und Miteigentümer der Bank.

 

Start-Up Culture
Das Heer der Freischaffenden, Gründer und Jungunternehmer, die mit nicht ganz geradlinigen Lebensläufen das Angestelltendasein zugunsten eines Start-ups aufgeben, wird nicht nur zum Wirtschaftsfaktor. Mit ihrer Interdisziplinarität, ihren Geschäftsideen, ihrer Art zu arbeiten und an Probleme heranzugehen, übernehmen sie eine Vorbildfunktion in Sachen Arbeitskultur und setzen etablierte Unternehmen und ganze Branchen unter Innovationsdruck.

 

Talentismus
Der „War for Talents“, der Konkurrenzkampf um Fachkräfte, verschärft sich weltweit. In der Wissensgesellschaft sind kluge, kreative Köpfe zunehmend gefragt. Dabei geht es jedoch nicht mehr nur um standardisierte Qualifikationen und miteinander vergleichbare Abschlüsse. Stattdessen sind vielfältige Talente gefragt. Sie werden zu einer wichtigen ökonomischen und sozialen Währung für Unternehmen, aber auch für jeden Einzelnen. Der globale Wettbewerb fordert eine ständige Weiterentwicklung des Personalmanagements und Employer Brandings, aber auch der individuellen Beschäftigungsfähigkeit.

 

Urban Manufacturing
Der Wunsch nach Individualität und Qualität, ein steigendes Bewusstsein für lokale Wertschöpfung und die zunehmende Nachfrage nach regionalen Produkten schaffen einen neuen Markt für kleine produzierende Betriebe in Städten. Sie entwickeln sich zu Geschäftsmodellen jenseits der Nische. Ob Lifestyle-Objekte, Bekleidung, Delikatessen oder Möbel – die Stadt wird dank der Nähe zum Kunden als Produktionsstandort zurückerobert.

 

Womanomics
Auch ein Mega-Trend der neuen Zeit: Künftig wird die Frage nach der Rolle der Frau in Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr normativ-moralisch, sondern vor allem ökonomisch beantwortet. Unternehmen setzen immer öfter gleichwertig auf die Arbeitskraft, Intelligenz und Führungskompetenzen von Frauen und nehmen ihre Wünsche als Kundinnen ernst.

 

Work-Life-Blending
Die kluge Verbindung von Privat- und Berufsleben, z.B. durch Home-Office-Modelle und Mobile-Office-Lösungen, wird zur großen Aufgabe der kommenden Jahre. Statt weiterhin krampfhaft den Spagat zwischen zwei scheinbar trennbaren Welten zu versuchen, steht Work-Life-Blending für einen neuen Ansatz von Vereinbarkeit, indem Arbeitgeber und Arbeitnehmer Lösungen finden, um die steigende Belastung durch geschäftliche und berufliche Anforderungen auszugleichen.