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„Wie Gymnaestrada am Arbeitsmarkt“


Zukunft der Arbeit ist bei Omicron gelebte Gegenwart

Omicron stellt Prüfgeräte her. „Das klingt jetzt nicht so sexy.“ Harald Dörler lacht verschmitzt. Er kann es auch so sagen: „Wir machen die Stromversorgung sicher.“ Dann schwingt in den Worten des Personalchefs jede Menge Sinn mit. Und um den Sinn der Arbeit und um Eigenverantwortung dreht sich fast alles bei dem Unternehmen in Klaus, das weltweit von sich reden macht.

Dörler ist seit Anfang dabei. Aus 20 Jahren Omicron-Geschichte ist ihm kein einziger „Nine-to-Five“-Job in Erinnerung. „Das gibt es bei uns nicht. Alles basiert auf Vertrauen und Eigenverantwortung.“ Klar, sie haben Regeln der Erreichbarkeit. „Wir müssen den Kundensupport weltweit organisieren.“ Aber ansonsten handeln die Teams stark in Eigenregie.

 

Die kleine Einheit

 

Das Team. Die kleine Einheit. „Omicron hat keine klassische Produktion aber viel Projektarbeit.“ Sie nennen die Methode „Scrum“.Das Projekt wird in kleine Schritte zerlegt, die man in Scrum „Sprints“ nennt. Eine gleichmäßige Sprintlänge gibt dabei dem Team den Rhythmus vor. Ein Sprint darf maximal vier Wochen dauern. Damit werden frühe und regelmäßige Lieferungen erreicht.

Am Anfang eines Sprints legt das Team die Liste der Anforderungen fest. Das geschieht mit Zetteln, ziemlich altmodisch sieht das aus. Ist aber sehr effizient. Nicht alles, was digital blinkt, ist auch gleich besser. Aus dem Zettelwald „zieht“ sich das Team so viele Anforderungen, wie es erfahrungsgemäß in einem Sprint umsetzen kann.

Feste Arbeitszeiten? Egal. Kann durchaus sein, dass einer früher fertig wird. Wann, wie und wo einer seine Arbeit macht, ist dem Einzelnen überlassen. „Es muss im Team funktionieren.“ Für eine derart freie Arbeitseinteilung müssen aus Sicht des Personalers immer drei Komponenten zusammenspielen: „Arbeitnehmer, Arbeitgeber und das Gesetz.“ Denn nicht alles, was möglich wäre, ist auch erlaubt.

 

Alternative Modelle

 

Die Menschen, die sich heute bei Omicron bewerben, legen großen Wert darauf, dass ihre Tätigkeit Sinn hat. Gleichzeitig verlangen sie mehr Leben neben ihrem Beruf. „Dieses Thema hat vor fünf Jahren bei uns eingeschlagen.“ Heute sind es sehr viele der 800 Mitarbeiter weltweit, die berufsbegleitend studieren. Familie, Väterkarenz, Teilzeit, die schrittweise Umgestaltung der Arbeit in Richtung Pension. „Manchen reichen drei Tage Arbeit pro Woche. Das ist tatsächlich öfter möglich, als wir uns vorstellen. Auch Führen in Teilzeit ist machbar, wenn man sich entsprechend organisiert.

Das Streben nach Karriere und Hierarchie spürt Dörler heute „deutlich weniger stark“ als noch vor 20 Jahren. Die Jungen wollen nicht unbedingt Karriere und hohes Gehalt. „Aber sie wollen sich identifizieren.“ Werte und Firmenkultur müssen stimmen. „Wie passe ich zu dem, was ich tue?“ Die sozialen Ausbildungsprojekte, die Omicron unterstützt, bilden ein Stück gemeinsamer Verantwortung.

 

Frauen und Technik

 

Was beschäftigt Omicron in der Zukunft? „Omicron ist techniklastig und männerdominiert.“ Deshalb wird das Unternehmen sich stark dem Thema „Frauen und Technik“ widmen. Im Übrigen tut man alles, um Fachleute an Bord zu holen. Weil Wohnen inzwischen kaum mehr leistbar ist in Vorarlberg, unterhält Omicron Studenten-Wohngemeinschaften in Dornbirn und errichtet eben eine Wohnanlage mit 15 Einheiten in Klaus.

Dieser Tage beginnt ein Neuer aus Indien, Kollegen aus Brasilien und der Türkei werden als nächstes erwartet. Immer bedeutet das einen Hindernislauf. Bereits seit mehreren Jahren kümmert sich eine Person im Personalbüro um sämtliche Angelegenheiten im Zuge des Umzuges von ausländischen Mitarbeitern nach Vorarlberg, inklusive alles möglichen Bewilligungen. „Sonst bist Du chancenlos.“ Ein Kopfschütteln kann sich Dörler da nicht verkneifen. „Jeder schreit heute: Fachkräftemangel! Aber der Arbeitsmarkt ist nicht nur Vorarlberg. Wir brauchen dringend mehr Austausch. Da muss Land Vorarlberg noch einiges lernen: „Das ist ein wenig so wie die Gymnaestrada am Arbeitsmarkt.“